Autorundreise Westfjorde: Islands am wenigsten bereiste Region mit dem Mietwagen entdecken
Warum die Westfjorde eine eigene Autorundreise wert sind
Autorundreise Westfjorde: Islands am wenigsten bereiste Region mit dem Mietwagen entdecken
Wer „Island Autorundreise“ googelt, landet fast ausschließlich bei der Ringstraße – zu diesem Thema gibt es inzwischen eine eigene deutschsprachige Themenseite und Dutzende ausführliche Reiseführer. Die Westfjorde im Nordwesten der Insel, oft als „Islands bestgehütetes Geheimnis“ bezeichnet, kommen dabei meist nur als Randnotiz vor. Dabei bieten sie alles, was eine Selbstfahrer-Rundreise abseits der Hauptroute braucht: den ältesten Landstrich der Insel, spektakuläre Fjordlandschaften, einen der größten Vogelfelsen Europas – und spürbar weniger Verkehr als am Golden Circle oder der Südküste.
Warum die Westfjorde eine eigene Autorundreise wert sind
Geologisch zählen die Westfjorde zum ältesten Landstrich Islands. Gletscher der letzten Eiszeit haben die charakteristischen, tief eingeschnittenen Fjorde und Hochebenen geformt, die der Region ihr besonders raues, ursprüngliches Landschaftsbild verleihen. Während sich auf der Ringstraße in der Hochsaison stellenweise dichter Reiseverkehr staut, bleiben die Westfjorde touristisch deutlich ruhiger – nicht zuletzt, weil die Anreise einen Umweg bedeutet und viele Ringstraßen-Reisende die Region bei ihrer Routenplanung schlicht auslassen.
Wer schon einmal auf der Ringstraße unterwegs war und Island bereits kennt, findet in den Westfjorden dadurch ein anderes Reiseerlebnis: weniger durchorganisiert, weniger fotografierte Aussichtspunkte mit Reisebussen davor, dafür mehr Gelegenheit für spontane Zwischenstopps. Für eine Autorundreise mit dem eigenen Tempo ist das ein klarer Vorteil gegenüber den touristisch stärker frequentierten Regionen der Insel.
Anreise und Route: Zwei Wege in die Westfjorde
Von Süden über die Ringstraße und Route 60
Der klassische Zugang führt von der Ringstraße bei Reykjavík oder Borgarnes über die Straße 60 in die südlichen Westfjorde. Diese Route verläuft streckenweise über Schotterpisten und ist die direkteste Verbindung für alle, die die Westfjorde als eigenständige Etappe in eine größere Islandrundreise einbauen möchten. Von Reykjavík aus sind es bis in die südlichen Westfjorde je nach genauem Ziel mehrere Stunden Fahrzeit, weshalb sich ein Zwischenstopp unterwegs empfiehlt.
Über die Meerenge: Fähre zwischen Westfjorden und Snæfellsnes
Eine beliebte Alternative ist die Fährverbindung zwischen Brjánslækur in den südlichen Westfjorden und Stykkishólmur auf der Snæfellsnes-Halbinsel. Sie erspart den langen Umweg über die Straße und lässt sich gut mit einem Besuch der ebenfalls sehenswerten Snæfellsnes-Halbinsel kombinieren, bevor es weiter Richtung Westfjorde oder zurück zur Ringstraße geht.
Highlights entlang der Route
Dynjandi: Der größte Wasserfall der Westfjorde
Der Dynjandi ist mit rund 100 Metern Höhe und einer Breite von etwa 30 Metern an der Oberkante der mit Abstand eindrucksvollste Wasserfall der Region. Er liegt abgelegen im südlichen Teil der Westfjorde und wird über eine Schotterstraße erreicht, die je nach erstem Schneefall meist von Oktober bis April gesperrt ist. Für eine Autorundreise außerhalb der Sommersaison lohnt sich daher vorab ein Blick auf den aktuellen Straßenstatus.
Látrabjarg: Europas größter Vogelfelsen
An den bis zu 450 Meter senkrecht abfallenden Klippen von Látrabjarg brüten im Sommer unzählige Seevögel, darunter große Papageientaucher-Kolonien, die sich hier aus nächster Nähe beobachten lassen. Die Zufahrt führt über die Straßen 62 und 612, letztere über weite Strecken als Schotterpiste entlang goldener Sandstrände.
Ísafjörður: Das Herz der Region
Ísafjörður ist mit Abstand der größte Ort der Westfjorde und ein guter Ausgangspunkt für Zwischenstopps, Verpflegung und – für alle, die weiter in unberührte Gebiete vordringen möchten – für Bootsausflüge in die Hornstrandir-Region.
Rauðasandur: der rote Sandstrand
Nicht weit von Látrabjarg liegt der Rauðasandur, ein ungewöhnlich langer Sandstrand, dessen Farbton zwischen Muschelkalk-Weiß und rötlichem Sand changiert – ein deutlicher Kontrast zu den schwarzen Vulkanstränden, für die Island sonst bekannt ist. Auch die Zufahrt hierhin verläuft über eine kurvenreiche, unbefestigte Passstraße.
Heiße Quellen abseits der Touristenpfade
Anders als am Golden Circle sind die Thermalquellen der Westfjorde meist einfach, naturbelassen und kaum besucht. Kleine, öffentlich zugängliche Becken finden sich verstreut entlang der Fjorde, oft direkt am Meer gelegen – ein Bad ohne Bustouristen um sich herum ist hier eher die Regel als die Ausnahme.
Fahrpraktische Hinweise für Selbstfahrer
Schotterstraßen und Tunnel
Viele Straßen abseits der Hauptverbindungen sind unbefestigt, teils einspurig mit Ausweichstellen und kurvenreich entlang der Fjorde. Zwei bedeutende Tunnel erleichtern die Durchquerung: der Vestfjarðagöng, mit gut 9 Kilometern der längste Tunnel Islands, sowie der Bolungarvíkurgöng an der Straße 61. Beide sind asphaltiert, einige ältere Tunnelabschnitte in der Region sind allerdings einspurig mit Ausweichbuchten, was etwas Aufmerksamkeit beim Gegenverkehr erfordert.
Saisonale Sperrungen
Mehrere Passstraßen und Zufahrten – etwa zum Dynjandi – sind außerhalb der Sommersaison je nach Schneelage gesperrt. Der aktuelle Straßenzustand lässt sich tagesaktuell über die offizielle Website der isländischen Straßenverwaltung Vegagerðin abrufen und sollte vor jeder Etappe geprüft werden, insbesondere im Frühling und Herbst. Wer außerhalb der Kernsaison von Juni bis September plant, sollte grundsätzlich Alternativrouten einkalkulieren, falls einzelne Streckenabschnitte kurzfristig gesperrt werden.
Fahrstil und Reisetempo
Wer die Westfjorde bereist, sollte deutlich mehr Zeit pro gefahrenem Kilometer einplanen als auf der Ringstraße: Die Straßen winden sich eng um jede Fjordbucht, was die Fahrzeit gegenüber der Luftlinie erheblich verlängert. Ein entspanntes Reisetempo mit ausreichend Pufferzeiten ist hier wichtiger als eine durchgetaktete Tagesetappe.
Hornstrandir: Islands letzte echte Wildnis
Nördlich von Ísafjörður liegt mit Hornstrandir eines der abgelegensten Gebiete Islands – ein 1975 eingerichtetes, von der isländischen Umweltbehörde Umhverfisstofnun verwaltetes Naturreservat ganz ohne Straßen und ohne feste Bewohner. Der Zugang erfolgt ausschließlich per Boot ab Ísafjörður, Bolungarvík oder Norðurfjörður, weiter geht es nur zu Fuß. Hornstrandir ist zudem eines der wenigen Gebiete Islands, in dem der Polarfuchs vollständig geschützt ist. Für eine reine Autorundreise ist die Region damit zwar nicht befahrbar, als Tagesausflug per Boot ab Ísafjörður aber eine eindrucksvolle Ergänzung.
Was unterscheidet die Westfjorde von der Ringstraße?
Die Ringstraße ist durchgängig asphaltiert, gut ausgeschildert und mit dichter touristischer Infrastruktur ausgestattet – Tankstellen, Cafés und Unterkünfte liegen selten weit auseinander. In den Westfjorden ist das Straßennetz löchriger, die Distanzen zwischen Ortschaften größer und das Angebot an Unterkünften und Restaurants überschaubarer. Wer diesen Unterschied kennt und entsprechend plant – mit vollem Tank, ausreichend Verpflegung und realistischem Zeitpuffer –, wird mit einer der ursprünglichsten Landschaften Islands belohnt.
Wie viele Tage einplanen?
Für die Westfjorde allein sind vier bis sechs Tage ein guter Richtwert, um neben Dynjandi und Látrabjarg auch Zeit für die kurvenreichen Fjordstraßen und einen möglichen Bootsausflug nach Hornstrandir einzuplanen. Wer die Region als Teil einer größeren Islandrundreise besucht, sollte entsprechend mehr Gesamtzeit einplanen – die Westfjorde lassen sich gut zwischen einem Aufenthalt an der Ringstraße und einem Abstecher zur Snæfellsnes-Halbinsel einbauen.
Eine mögliche Grobgliederung: zwei Nächte im Süden der Region rund um Dynjandi, Rauðasandur und Látrabjarg, ein bis zwei Nächte in oder um Ísafjörður inklusive eines optionalen Bootstags nach Hornstrandir, sowie ein Tag für die Weiterfahrt entweder zurück zur Ringstraße oder per Fähre weiter zur Snæfellsnes-Halbinsel. Wer weniger Zeit hat, konzentriert sich am besten auf den südlichen Teil der Westfjorde mit Dynjandi und Látrabjarg, die auch bei einer kürzeren Stippvisite gut erreichbar sind.
Häufig gestellte Fragen zur Autorundreise Westfjorde
Reicht ein normaler Mietwagen für die Westfjorde?
Für die Hauptstraßen reicht in der Regel ein normaler Mietwagen aus, sofern diese asphaltiert oder in gutem Schotterzustand sind. Für abgelegenere Zufahrten und insbesondere außerhalb der Sommersaison ist ein Fahrzeug mit höherer Bodenfreiheit von Vorteil – die Wahl sollte sich nach der geplanten Route und Jahreszeit richten.
Wann sind die Westfjorde am besten befahrbar?
Die Sommermonate von Juni bis September bieten die zuverlässigsten Straßenverhältnisse, da dann auch abgelegene Schotterstrecken wie die Zufahrt zum Dynjandi in der Regel geöffnet sind. Außerhalb dieser Zeit sollte der aktuelle Straßenstatus tagesaktuell geprüft werden.
Lassen sich die Westfjorde mit der Ringstraße kombinieren?
Ja, das ist der klassische Ansatz: Die Westfjorde werden meist als Abstecher von der Ringstraße bei Reykjavík oder Borgarnes eingeplant, entweder über die Straße 60 hin und zurück oder über die Fähre nach Snæfellsnes als eleganter Rückweg ohne doppelte Strecke.
Ist Hornstrandir mit dem Auto erreichbar?
Nein. Hornstrandir hat keine Straßen und ist ausschließlich per Boot ab Ísafjörður, Bolungarvík oder Norðurfjörður sowie anschließend zu Fuß erreichbar. Für Selbstfahrer ist ein Tagesausflug per Boot die einzige Möglichkeit, die Region zu besuchen.
Braucht man für eine Westfjorde-Reise viel Islanderfahrung?
Vorerfahrung mit isländischen Straßenverhältnissen ist hilfreich, aber keine Voraussetzung. Wer sich an Tempolimits hält, ausreichend Pufferzeit einplant und den Straßenzustand vorab prüft, kommt auch ohne vorherige Island-Reise gut zurecht. Etwas Übung im Umgang mit Schotterstraßen und Gegenverkehr in einspurigen Abschnitten erleichtert die Fahrt jedoch.
Fazit: Die Westfjorde als Ergänzung, nicht als Ersatz
Die Westfjorde sind kein Ersatz für die Ringstraße, sondern ihre stillere, ursprünglichere Ergänzung. Wer bereits eine Islandreise hinter sich hat oder gezielt abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs sein möchte, findet hier eine der am wenigsten bereisten Regionen des Landes – mit Landschaften, die dem Rest Islands in nichts nachstehen, aber deutlich weniger Publikum haben. Wer sich die zusätzliche Zeit und etwas mehr Planungsaufwand für Schotterstraßen und saisonale Sperrungen nimmt, wird mit einem der authentischsten Reiseerlebnisse belohnt, das Island zu bieten hat.
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Zwei Wege in die Westfjorde
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