Irlands Ancient East: Autorundreise durch den historischen Osten abseits des Wild Atlantic Way
Irlands Ancient East: Autorundreise durch den historischen Osten abseits des Wild Atlantic Way
Wer an eine Autorundreise durch Irland denkt, landet in der deutschsprachigen Reiseberatung fast automatisch beim Wild Atlantic Way: Cliffs of Moher, Connemara, der Burren. Der Osten der Insel führt dabei ein Schattendasein – dabei bündelt „Ireland's Ancient East", eine offizielle Themenregion der irischen Tourismusbehörde Fáilte Ireland, auf recht kompaktem Raum über 5.000 Jahre irischer Geschichte: von neolithischen Ganggräbern, die älter sind als die Pyramiden von Gizeh, bis zum letzten Hafen der Titanic.
Was ist Irlands Ancient East?
Ireland's Ancient East ist keine feste, ausgeschilderte Route wie der Wild Atlantic Way, sondern eine von Fáilte Ireland entwickelte Themenregion, die 17 Grafschaften zwischen Carlingford im Norden, Cork im Süden, Wicklow im Osten und dem Shannon im Westen umfasst. Das Konzept ruht auf vier Säulen: dem prähistorischen Irland, dem frühchristlichen Irland, dem mittelalterlichen Irland und dem anglo-irischen Erbe. Statt einer linearen Küstenstraße ist die Ancient East damit eher ein Themen-Netzwerk aus historischen Orten, die sich flexibel zu einer eigenen Autorundreise verbinden lassen.
Warum die Ancient East die perfekte Ergänzung zum Wild Atlantic Way ist
Während der Wild Atlantic Way von dramatischen Klippen und Atlantikpanoramen lebt, punktet die Ancient East mit Geschichte und Kulturerbe – von jungsteinzeitlichen Grabhügeln über keltische Königssitze und normannische Burgen bis zu georgianischer Architektur. Für Selbstfahrer, die Irland bereits über die Westküste kennengelernt haben oder gezielt einen kulturhistorischen Schwerpunkt suchen, ist das eine eigenständige Route – mit deutlich kürzeren Fahrstrecken zwischen den Stationen, da sich viele Highlights im dichter besiedelten Osten und Südosten der Insel konzentrieren.
Die Route: Von Dublin ins Boyne Valley und weiter nach Cork
Boyne Valley: Newgrange – älter als die Pyramiden
Rund 50 Kilometer nördlich von Dublin liegt das Boyne Valley mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Brú na Bóinne. Das Ganggrab von Newgrange ist mit etwa 5.000 Jahren älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh und gilt als eines der bedeutendsten prähistorischen Monumente Europas. Zur Wintersonnenwende fällt für rund 17 Minuten ein Lichtstrahl durch eine Öffnung über dem Eingang und erhellt die 19 Meter lange Grabkammer im Inneren des Hügels – ein Naturschauspiel, das seit Jahrtausenden unverändert stattfindet. Neben Newgrange gehören auch die Nachbargräber Knowth und Dowth zum selben Weltkulturerbe.
Hill of Tara: Sitz der Hochkönige
Der Hill of Tara, ebenfalls in County Meath, war über Jahrhunderte der legendäre Krönungsort der irischen Hochkönige und gilt als einer der bedeutendsten sakralen Orte des vorchristlichen Irlands. Der Sage nach residierten hier bis zu 142 Herrscher; genutzt wurde der Hügel als Bestattungs- und Versammlungsort bereits seit mehr als 5.000 Jahren.
Glendalough: Frühchristliche Klosterstadt in den Wicklow Mountains
Südlich von Dublin, eingebettet zwischen zwei Seen in den Wicklow Mountains, gründete der heilige Kevin im späten 6. Jahrhundert die Einsiedelei Glendalough, aus der sich eines der bedeutendsten frühchristlichen Klosterzentren Europas entwickelte. Das Wahrzeichen der Anlage ist ein vollständig erhaltener, 30 Meter hoher Rundturm, der einst als Glockenturm und Fluchtort vor Überfällen diente. Die meisten der bis heute erhaltenen Gebäude stammen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, bevor die Klosterstadt 1214 von den Normannen zerstört wurde.
Kilkenny: Irlands besterhaltene mittelalterliche Stadt
Kilkenny war im 17. Jahrhundert kurzzeitig Hauptstadt Irlands und gilt heute als die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt des Landes. Die „Medieval Mile" verbindet Kilkenny Castle, das jährlich über eine Million Besucher zählt, mit der St. Canice's Cathedral entlang des Flusses Nore. Nur wenige Gehminuten von der Burg entfernt liegt zudem die Smithwick's Experience: Auf dem Gelände einer ehemaligen Franziskanerabtei, in der Mönche bereits seit dem 14. Jahrhundert Bier brauten, entstand 1710 Irlands älteste Brauerei – bis zu ihrer Schließung 2013 durchgehend in Betrieb und heute als Erlebnismuseum zugänglich.
Rock of Cashel: Burgfelsen mit 1.000 Jahren Geschichte
Der Rock of Cashel in County Tipperary ist ein rund 110 Meter hoher Felsen mit einer Ansammlung keltischer, christlicher und normannischer Ruinen und zählt zu den meistbesuchten historischen Stätten Irlands – ein anschauliches Beispiel dafür, wie unterschiedliche Epochen an einem einzigen Ort aufeinandertreffen.
Waterford: Irlands älteste Stadt
Waterford wurde 914 von norwegischen Wikingern gegründet und ist damit Irlands älteste Stadt. Reginald's Tower, der erste Verteidigungsbau der Wikingersiedler, gilt als ältestes noch genutztes ziviles Gebäude Irlands. Wer es lieber handwerklich mag: Seit 1783 wird in Waterford Kristallglas gefertigt, und im House of Waterford Crystal lässt sich die Produktion – von der Schmelzwanne bis zum handgeschliffenen Fertigprodukt – bei einer Werksführung live verfolgen.
Cobh: Letzter Hafen der Titanic
Der östliche Routenabschnitt endet meist in Cobh nahe Cork, einem der größten natürlichen Naturhäfen der Welt. Cobh war 1912 der letzte Anlaufhafen der Titanic vor deren Unglück und diente 1915 als nächstgelegener Hafen zum Untergangsort der Lusitania. Das Cobh Heritage Centre dokumentiert diese maritime Geschichte ebenso wie die Rolle der Stadt als wichtigster Auswanderungshafen Irlands im 19. Jahrhundert.
Praktische Tipps für die Autorundreise
Linksverkehr und Tempolimits
In Irland herrscht Linksverkehr, der deutsche Führerschein wird anerkannt. Innerorts gelten in der Regel 50 km/h, seit Februar 2025 in bestimmten innerstädtischen Kernzonen sogar nur noch 30 km/h. Außerorts sind meist 80 km/h erlaubt, auf lokalen Landstraßen seit Februar 2025 maximal 60 km/h, auf Schnellstraßen (National Roads) 100 km/h und auf Autobahnen 120 km/h. Die Promillegrenze liegt bei 0,5, für Fahranfänger in den ersten zwei Jahren bei 0,2. Einige Straßen sind mautpflichtig, die Zahlung erfolgt vor Ort oder online über eToll.
Anreise
Dublin ist mit zahlreichen Direktflügen ab Deutschland der naheliegende Ausgangspunkt für eine Autorundreise durch die Ancient East. Alternativ lässt sich die Route auch ab Rosslare oder Cork beginnen, die per Fähre unter anderem von Frankreich aus erreichbar sind.
Beste Reisezeit
Die Hauptsaison liegt zwischen Mai und September, wenn die Öffnungszeiten der historischen Stätten am großzügigsten sind und das Wetter die längeren Tagesausflüge erleichtert. Wer die Wintersonnenwende in Newgrange erleben möchte, muss sich für den begrenzten Zugang zur Kammer allerdings deutlich im Voraus über eine Lotterie bewerben – ein Detail, das nur wenige Reiseblogs erwähnen.
Was die Ancient East von einer klassischen Küsten-Autorundreise unterscheidet
Im Vergleich zum Wild Atlantic Way, der Nordküste Schottlands oder auch der Wales Way liegt der Reiz der Ancient East nicht in dramatischen Steilküsten, sondern in der Dichte historischer Schichten auf kurzer Distanz: Innerhalb weniger Fahrstunden lassen sich jungsteinzeitliche Grabhügel, frühchristliche Klosterstädte, normannische Burgen und georgianische Hafenstädte besuchen. Die Fahrstrecken zwischen den einzelnen Stationen sind dabei überschaubar – von Dublin bis Cobh sind es auf direktem Weg keine 300 Kilometer –, sodass deutlich mehr Zeit für Besichtigungen bleibt als für lange Etappen am Steuer. Wer bereits eine der bekannten Küstenrouten gefahren ist, bekommt mit der Ancient East ein völlig anderes Irland-Erlebnis, ohne dafür ins Flugzeug steigen zu müssen.
Wie viele Tage für die Ancient East
Für die Kernroute von Dublin über das Boyne Valley, Kilkenny und den Rock of Cashel bis nach Waterford und Cobh sind 6 bis 8 Tage ein guter Richtwert. Da die Ancient East kein starres Streckennetz vorgibt, lässt sich die Reise flexibel verkürzen oder mit einzelnen Tagen in Dublin selbst kombinieren.
Für wen eignet sich die Ancient East
Die Ancient East eignet sich für Selbstfahrer, die Geschichte und Kultur einer kompakten Route mit kurzen Fahrstrecken gegenüber Atlantikpanoramen und langen Distanzen bevorzugen – ideal auch als Ergänzung zu einer bereits erlebten Wild-Atlantic-Way-Reise oder als kulturhistorisch geprägte Erstreise nach Irland.
Häufige Fragen zur Autorundreise durch Irlands Ancient East
Was unterscheidet die Ancient East vom Wild Atlantic Way?
Der Wild Atlantic Way ist eine durchgehend ausgeschilderte Küstenroute an der Westküste. Die Ancient East ist dagegen kein festes Streckennetz, sondern eine Themenregion mit historischen Sehenswürdigkeiten im Osten und Südosten Irlands, die sich individuell zu einer Autorundreise kombinieren lässt.
Kann man Newgrange spontan besuchen?
Der reguläre Besuch der Ganggräber ist über das Besucherzentrum in Brú na Bóinne möglich und in der Hauptsaison meist auch kurzfristig buchbar. Der Zugang zur Grabkammer während der Wintersonnenwende selbst ist dagegen nur über eine vorab durchgeführte Verlosung möglich.
Braucht man für die Ancient East ein spezielles Fahrzeug?
Nein. Die Route verläuft durchgehend auf gut ausgebauten Haupt- und Landstraßen im dichter besiedelten Osten Irlands. Ein regulärer Mietwagen reicht für die gesamte Strecke aus.
Lässt sich die Ancient East gut mit einem Städtetrip nach Dublin kombinieren?
Ja, sogar besonders gut: Da Boyne Valley und Hill of Tara nur rund 45 bis 50 Autominuten von Dublin entfernt liegen, lässt sich die Autorundreise problemlos um zwei bis drei Tage in der Hauptstadt selbst ergänzen, bevor es weiter in Richtung Süden geht.
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Tourcode: Irlands Ancient East